Die Karibik wurde in drei Wellen besiedelt

Woher kamen die ersten Menschen in der Karibik? (

 
 
 

Die Inseln der Karibik gehören zu den letzten Regionen Amerikas, die von Menschen besiedelt wurden. Jetzt zeigen DNA-Analysen von fossilen Gebeinen, wann und woher die ersten Bewohner der Karibik kamen. Demnach gab es mindestens drei Einwanderungswellen. Bei den ersten beiden besiedelten Verwandte der nordamerikanischen Ureinwohner den Westen der Karibik, die dritte Welle ging dagegen von Südamerika aus.

Wann und woher die ersten Bewohner der Karibik kamen, war bislang unklar. Zwar sprechen archäologische Funde dafür, dass es schon vor 8000 Jahren Menschen auf einigen der küstennäheren Inseln gegeben haben könnte. Die ältesten Belege für die Besiedlung von Kuba, Barbados oder St. Martin reichen rund 5000 Jahre zurück, wie Kathrin Nägele vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena und ihre Kollegen erklären. Der Fund charakteristischer Keramikscherben verrät zudem, dass vor rund 2800 Jahren neue Einwanderer eine andere Kultur auf die Inseln brachten.

DNA-Analysen verraten Herkunft der frühen Inselbewohner

Wie sich jedoch diese verschiedenen Siedler über die Inseln der Karibik verteilten und woher sie kamen, ließ sich bislang nicht feststellen. Deshalb haben Nägele und ihr Team nun genetische Daten zu Hilfe genommen. Für ihre Studie analysierten sie DNA aus den Knochen und Zähnen von 93 vorzeitlichen Inselbewohnern. Unter den Toten waren 52 Angehörige der älteren Kultur, die vor 3200 bis 700 Jahren auf Kuba gestorben waren, sowie 41 Angehörige der Keramikerkultur, die vor 1500 bis 540 Jahren auf Kuba, den Bahamas, Puerto Rico, Guadelupe und St. Lucia bestattet worden waren. Anhand von Genvergleichen konnte die Wissenschaftler ermitteln, mit welchen Völkern in der Region diese Toten am engsten verwandt waren.

„Mithilfe dieser Daten können wir uns nun ein recht detailliertes Bild der frühen Bevölkerungsgeschichte der Karibik verschaffen“, erklärt Seniorautor Johannes Krause vom MPI für Menschheitsgeschichte. Die DNA-Analysen ergaben, dass die frühen Bewohner der Karibik am engsten mit den Vorfahren der heutigen Indianer Nordamerikas verwandt sind. Sie müssen demnach vom nordamerikanischen Festland auf die karibischen Inseln gekommen sein. Gleichzeitig aber fanden die Wissenschaftler auch in dieser älteren Bevölkerungsgruppe mindestens zwei genetisch unterschiedliche Gruppen. Zusammengenommen schließen sie daraus, dass es mindestens zwei frühe Einwanderungswellen gab, bei denen Menschen von Nordamerika aus die westliche Karibik besiedelten.

Neuankömmlinge aus Südamerika

Auf diese ersten Besiedlungen folgte dann etwa vor 2800 Jahren eine dritte Einwanderungswelle durch die Vertreter der Keramik-Kultur. Diese kamen jedoch nicht aus Nordamerika, sondern erreichten die Inseln von Süden. „Wir stellen fest, dass die Individuen aus den Keramikzeitalter-Kontexten genetisch ein Cluster mit den heutigen Bewohnern Südamerikas bilden“, berichten Nägele und ihre Kollegen. Die Gendaten legen zudem nahe, dass diese Menschen zuerst die Kleinen Antillen und Puerto Rico besiedelten, ihre Ausbreitung dann aber dort rund 1000 Jahre lang stockte.

„Vermutlich hielt die Präsenz von Gemeinschaften der älteren Kulturen in Hispaniola und Kuba diesen Vormarsch auf“, so die Wissenschaftler. Frühestens vor rund 1500 Jahren breitete sich dann die Kultur der Keramiker auch im Rest der Karibik aus. Interessant jedoch: „Obwohl die verschiedenen Gruppen zur selben Zeit die Karibik bewohnten, finden wir erstaunlicherweise kaum Hinweise auf genetische Vermischung“, erläutert Nägeles Kollege Cosimo Posth. Die genetischen Differenzen bestätigen damit die archäologischen Funde, die ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen den archaischen Kulturen und den Keramikern zeigen.

„Die Ergebnisse dieser Studie geben weitere Hinweise auf die komplexe Vielfältigkeit der Karibik vor Ankunft der Europäer und zeigen die Verbindungen zum amerikanischen Festland“, sagt Co-Autorin Corinne Hofman von der Universität Leiden. „Dies spiegelt sich in der Archäologie wider, doch es ist faszinierend, dies durch die genetischen Daten bestätigt zu sehen.“ Gleichzeitig belegen die Resultate, dass das Meer offenbar selbst für die frühen Siedler kaum ein Hindernis darstellte.

Quelle: Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte; Fachartikel: Science, doi: 10.1126/science.aba8697